Der Barisch Hof im Karolinischen Steuerkatastar von 1724 für Beerwalde.

 

Hof Nr. 21, Haus Nr. 74
in Bärwalde

Besitzer: Christoph Bährisch
Bauer, Gerichtsältester, Gerichts Verwalter
 

Der Umfang des Ackerlandes wurde damals als Aussaat in Malter zu 12 Scheffel gemessen.

Gem. Ertrags-Tabelle:

Felder = 4 Malter, 4 1/4 Scheffel
Obstwiese = 4/8 Scheffel

entspricht 99,17 Morgen = 1 Fränkische Hufe
(zzgl. 1 Schaf, 4 Kühe, 2 Ziegen, 1 Schwein)

 

1 Malter = 12 Scheffel
1 Malter = 10 Schlesische Morgen
1 Scheffel = 0,47 ha

 

Sae-Werk (Ackerfläche)

 

Die Spezifikationen der Gemeinden sind in folgende Kapitel untergliedert:

Rubrica Prima. Gaerthe. (Gärten) - Allhier müssen alle Obst=Tätze und Hopfen=Gärte, wie nicht minder die Weinberge, und mit fruchtbaren Bäumern besetzte Werder, welche denen Scholtzen, Bauern oder andern Besitzern und Unterthanen im Dorffe zugehören, specificiret, die Nahmen der Besitzer benennet, und nach der Aussaat über Winter angeschlagen werden.

Rubrica Secunda. Mühl-Nutzung. - Hier seynd die Mühlen mit ihren Namen und an was vor einem Wasser sie liegen, auch wie viel Gänge sie haben, oder ob es Wind=Mühlen seynd, wie nicht minder deren Besitzer zu benennen und specifice anzuzeigen.

Rubrica Tertia. Bier - und Brandwein Urbar: - Allhier muß gesetzet werden ob eigener Zuwachs an Weitzen und Holtz vorhanden. Ingleichen seynd die Kretschamme oder der Orth / wo solches außgeschencket wird / wie nicht minder der Besitzer zu benennen.

Rubrica Qvarta. Teich-Nutzung. - Allhier müssen sowohl die Streich- als andere Teiche mit ihrem a Situ loci oder sonsten habenden Nahmen, wie nicht minder der Besitzer benennet und specificieret werden.

Rubrica Qvinta. Steigende und fallende Nutzungen. - Allhier muß die Ertragnüß von vermietheten Wiesenwachs, und Vieh-Huttung, dann die Eisen=Stein=Kohlen= und Gallmay=Nutzung, wie nicht minder von vermietheten Bret=Mühlen specifice angezeiget, und der Possessor benennet werden.

Rubrica Sexta. Holtz-Nutzung. - Allhier muß der a Situ loci oder sonsten angenommene Nahmen des Waides, und dessen Besitzer beygesetzet werden."

Rubrica Septima. Schaafe=Kühe=Ziegen- und Schwein=Nutzung - Allhier muß gesetzet werden / wie viel der Scholtz oder die Bauren und übrigen Gemeine Schaafe / Kühe / Ziegen / und Zucht-Schweine halten.

Rubrica Octava. Säe-Werck. - Allhier müssen in Columna I. alle Felder, sie seyn besäet oder nicht, mit dem a Situ loci oder sonsten herhabenden Nahmen, und was daraufgesäet werden kan, nebst deren Besitzern specificiret, in II. wie viel regulariter über Winter und in III. wie viel regulariter über Sommer gesäet wird, angezeiget werden." (eingeteilt nach den Ständen Bauern und Gärtner).

 

Daraus ergeben sich die gesamten besteuerbaren Realitäten des jeweiligen Dorfes. Ergänzt werden diese Kapitel durch je eine Bekenntnistabelle, in welcher die Ergebnisse der Spezifikation zusammengefasst werden, sowie häufig durch erläuternde Anhänge wie Urkundenabschriften oder Erklärungen einzelner Stellenbesitzer sowie die jeweilige ,,Unterthaner Befunds=Tabella.", aus welcher sich das nach Revision durch die Rektifikationskommission endgültige besteuerbare Kapital des Dorfes ergibt. Neben den Namen der Stellenbesitzer, erfährt der Leser so etwas über den jeweiligen Land- und Viehbesitz sowie die Standeszugehörigkeit derselben. Neben den Schulzen wurden die Bauern und die Gärtner, teilweise in Frei- und Robotgärtner unterteilt, erfasst. Nicht genannt werden im Kataster i.d.R. die Kleinstellenbesitzer (Häusler), sowie die Einlieger ohne Landeigentum. Die Mühlen und Kretschame (Gastwirtschaften) werden hingegen im zweiten Kapitel (Mühl-Nutzung) bzw. dritten Kapitel (Bier- und Brandwein Urbar) beschrieben. Damit bietet das Karolinische Kataster eine umfassende Beschreibung der wirtschaftlichen sowie sozialen Verhältnisse in den jeweiligen Dörfern zu Beginn des 18. Jahrhundert, am Ende der habsburgischen Zeit, kurz vor der Übernahme Schlesiens durch Preußen.

 

Kopfzeile einer Unterthaner-Specification – Rubrica Octava

 

Rubrica Octava. Säe=Werck

 

Größen und Summen der Aufstellungen

Bei den Untertanen-Spezifikationen fällt zunächst auf, dass nur die mit Gärten und besätem Grund ausgestatteten Einwohner genannt werden, also an erster Stelle der Schulze und die Bauern. Dabei ist nicht immer deutlich, ob es sich beim Schulzen um einen Erb- oder Wahlschulzen handelt. Unter den sonstigen Einwohnern werden zumeist die Gärtner des Dorfes genannt, manchmal auch die Häusler oder Müller, wenn sie Vieh oder Ackerland besaßen. Vom Viehbestand waren nur die Kühe, Zuchtschweine und Schafe steuerpflichtig. Die Pferde wurden offensichtlich als,,Arbeitskräfte" nicht besteuert. Der Umfang des Ackerlandes wurde damals als Aussaat in Malter zu 12 Scheffel gemessen. Nach dem Karolischen Kataster säte man einen Breslauer Malter Aussaat auf 10 schlesische Morgen, d.h. einen Breslauer Scheffel auf 0,47 ha." Der schlesische Taler wurde damals zu 24 Groschen gerechnet.